Cobario

Cobario

Quelle: Wikipedia

Cobario: Wiener Weltmusik zwischen Straßenpoesie, Virtuosität und orchestraler Weite

Ein österreichisches Instrumental-Trio mit internationalem Klang und unverwechselbarer Handschrift

Cobario steht für eine seltene Verbindung aus musikalischer Abenteuerlust, kammermusikalischer Präzision und der unmittelbaren Energie des Straßenmusizierens. Das Wiener Instrumental-Trio begann 2006 als rein akustisches Projekt in Barcelona und entwickelte sich zu einer Formation, die Weltmusik, klassische Elemente und erzählerische Kompositionen auf einem hohen künstlerischen Niveau bündelt. Aus dieser Mischung erwächst eine Musikkarriere, die nicht nur von Konzerten, sondern von künstlerischer Entwicklung, Besetzungswechseln und stetiger stilistischer Erweiterung lebt.

Die Band formte ihren eigenen Ton zwischen spanischen, irischen, orientalischen und slawischen Einflüssen, die mit europäischen Klangtraditionen verschmelzen. Cobario bewegt sich damit jenseits einfacher Genregrenzen und setzt auf Instrumentalmusik, die Bilder erzeugt, Reisen erzählt und Bühnenpräsenz mit feiner Dynamik verbindet. Gerade diese Mischung macht das Trio für Musikliebhaber, Festivalpublikum und Hörer moderner akustischer Musik gleichermaßen spannend.

Von Barcelona nach Wien: Die Anfänge eines außergewöhnlichen Projekts

Die Geschichte von Cobario beginnt mit den Gitarristen Rio Che und El Coba, die 2006 als Straßenmusiker in Barcelona erste eigene Kompositionen spielten. Kurz darauf ergänzte der Ausnahmegeiger Herwig Schaffner alias Herwigos das Duo zum Trio. Aus diesem kreativen Dreiklang entstand ein Instrumentalprojekt, das von Beginn an auf Klangfarben, melodische Weite und eine klare kompositorische Sprache setzte.

Der Ursprung im Straßenraum prägt Cobarios Ausdruck bis heute. Die Musik trägt die Direktheit des Live-Moments in sich, bleibt dabei aber sorgfältig arrangiert und formal ausgearbeitet. Das Trio denkt in musikalischen Szenen statt in bloßen Songstrukturen und schafft so Kompositionen, die sich wie kleine Reiseberichte entfalten.

Stil, Klangsprache und musikalische Entwicklung

Das Klangbild von Cobario ist von einem feinen Balanceakt bestimmt: akustische Gitarren treffen auf Violine, folkloristische Motive auf klassische Satztechnik, mediterrane Wärme auf cineastische Spannung. Die Musik arbeitet mit rhythmischer Bewegung, transparentem Arrangement und melodischen Linien, die sich oft in weite Bögen öffnen. Dadurch entsteht eine Form der Weltmusik, die nicht dekorativ wirkt, sondern kompositorisch geschlossen und dramaturgisch durchdacht ist.

Besonders bemerkenswert ist die Offenheit des Trios für neue Besetzungen und klangliche Erweiterungen. Mit späteren Produktionen kamen Gesang, elektronische Einflüsse, Bass, Synthesizer und diverse Perkussionsinstrumente hinzu. Cobario blieb dabei stets instrumental geprägt und entwickelte die eigene Identität weiter, ohne den akustischen Kern aufzugeben.

Besetzungswechsel als Teil der künstlerischen Geschichte

2014 verließ Rio Che das Instrumentaltrio, worauf Cobario mit Georg Aichberger alias Giorgio Rovere neu aufgestellt wurde. Dieser Wechsel brachte nicht nur personelle Stabilität, sondern auch neue Impulse in die Kompositionen und den Tourbetrieb. Bereits im selben Jahr erschien mit Royal ein neues Album, das die Band auf ihrer ersten großen Wintertour in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentierte.

2022 begann eine weitere Phase der Erneuerung, als Gründungsmitglied El Coba die Band verließ und Peter Weiss die Westerngitarre übernahm. Mit New Dimension erschien 2023 ein Album, das den orchestralen Charakter der Cobario-Kompositionen im Studio stärker auslotete. Im September 2025 folgte mit Dino Sulic an der Stahlsaitengitarre der nächste Generationsschritt, der Cobario erneut in eine neue klangliche Gegenwart führte.

Diskographie: Von Insight bis New Dimension

Die Diskographie von Cobario zeichnet den Weg einer Gruppe nach, die sich kontinuierlich weiterentwickelt und ihr Repertoire über Jahre verfeinert. Zu den veröffentlichten Alben zählen Insight (2007), Cobario Island (2009), A Vagabond’s Tale (2011), Cobario – Live in Concert (2013), Royal (2014), 10 Welten (2017), weit weg (2020), Wiener Weihnacht (2021) und New Dimension (2023). Diese Veröffentlichungen zeigen eine Band, die zwischen Live-Energie, atmosphärischer Komposition und programmatischer Vielfalt arbeitet.

Mit weit weg erweiterte Cobario das Spektrum erstmals deutlich um Gesang und elektronische Einflüsse. New Dimension wiederum setzt auf eine breitere instrumentale Palette und einen fast orchestralen Aufbau, der Violine und Gitarren in einen größeren Klangraum stellt. So entsteht eine Diskographie, die nicht auf Wiederholung setzt, sondern auf Entwicklung, Farbreichtum und musikalische Erzählkraft.

Internationale Konzerterfahrung und künstlerische Autorität

Cobario gastierte auf zahlreichen europäischen und nordamerikanischen Festivals und konzertierte im Lauf der Jahre in 33 Ländern auf vier Kontinenten. Die Band positionierte sich damit als international verankertes Wiener Weltmusik-Projekt mit klarer eigener Sprache. 2016 wurde Cobario als offizieller Vertreter für Weltmusik in das Programm „New Austrian Sound of Music“ des österreichischen Außenministeriums aufgenommen, ein wichtiger Markstein in der künstlerischen Anerkennung.

Diese Autorität speist sich nicht nur aus Tourneen, sondern auch aus der Beständigkeit der Live-Arbeit. Die Gruppe baute sich ein Publikum auf, das die direkte Verbindung zwischen virtuosem Spiel, melodischer Zugänglichkeit und emotionaler Tiefe schätzt. Gerade die Konzertpraxis hat Cobario zu einer Band gemacht, deren Stücke auf der Bühne ihre volle Wirkung entfalten.

Herwig Schaffner, Georg Aichberger und Dino Sulic: Drei Musiker, drei Profile

Herwig Schaffner begann im Alter von acht Jahren mit Geige und Klavier und wurde bereits mit 16 Jahren an der Universität Mozarteum Salzburg aufgenommen. In seiner Jugend spielte er in verschiedenen Orchestern, darunter im European Youth Orchestra, und trat unter Dirigenten wie Yehudi Menuhin und Sandor Végh auf. Seine kompositorische Arbeit reicht bis zu Werken für Streichquartett und Symphonieorchester, die unter anderem im Goldenen Saal des Musikvereins Wien uraufgeführt wurden.

Georg Aichberger begann mit 14 Jahren Gitarre zu spielen, studierte später an der Musikuniversität Wien und perfektionierte sein Spiel am Sydney Conservatorium of Music. Seine Laufbahn führte ihn durch verschiedene Länder und musikalische Kontexte, was sich in seiner stilistischen Flexibilität widerspiegelt. Dino Sulic wiederum bringt eine jüngere, breite Ausbildung mit: klassische Gitarre, Pop- und Jazzgitarre sowie Erfahrungen in Klassik, Pop und Metal, die Cobarios klangliche Spannweite weiter öffnen.

Aktuelle Projekte, Programme und neue Perspektiven

Auch in jüngster Zeit blieb Cobario produktiv und tourte mit neuen Programmen durch den deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Für 2024 kündigte die Band gleich zwei neue Formate an: ein Cobario-Programm sowie eine Auseinandersetzung mit Vivaldis Vier Jahreszeiten in einem eigenen Arrangement. 2025 folgten Orchesterkonzerte mit der Orchesterinitiative Ingolstadt und dem Ensemble sINNfonietta, bei denen Vivaldi und Cobario-Kompositionen in orchestralen Fassungen präsentiert wurden.

Auf der Website wurde zudem ein neues Album für 2026 angekündigt, während die Band parallel an einer neuen Website arbeitet. Diese Dynamik zeigt eine Formation, die ihr Repertoire fortlaufend ausbaut und neue dramaturgische Räume sucht. Cobario bleibt damit nicht nur ein Ensemble der Gegenwart, sondern eines, das seine Zukunft aktiv formt.

Kritische Rezeption und kultureller Einfluss

Die Rezeption von Cobario kreist immer wieder um die emotionale Kraft der Instrumentalmusik und die Fähigkeit, verschiedene Kulturen in einem einheitlichen Klangbild zusammenzuführen. In der Beschreibung der Band tauchen Begriffe wie Reise, Atmosphäre und Genusshörer auf, was gut zu ihrem Ansatz passt: Die Musik will nicht bloß unterhalten, sondern imaginäre Räume öffnen. Gerade darin liegt ihr kultureller Wert für die deutschsprachige Weltmusik- und Akustikszene.

Der Einfluss von Cobario zeigt sich auch im Umgang mit Bühnenformaten, Orchesterprojekten und saisonalen Programmen wie Wiener Weihnacht. Die Band beweist, dass Instrumentalmusik im populären Konzertbetrieb sehr wohl tragfähig, publikumsnah und künstlerisch anspruchsvoll bleibt. Ihr Profil verbindet Traditionsbewusstsein mit Offenheit und macht das Trio zu einer markanten Stimme in der österreichischen Musiklandschaft.

Fazit: Warum Cobario spannend bleibt

Cobario fasziniert durch die Verbindung aus Virtuosität, emotionaler Direktheit und stilistischer Neugier. Das Trio erzählt ohne Worte, aber mit großer Klarheit, und verwandelt jede Bühne in einen Resonanzraum für Bilder, Bewegung und Atmosphäre. Wer moderne Weltmusik, akustische Präzision und lebendige Kompositionen schätzt, findet hier ein Ensemble mit eigenem Charakter und starker Handschrift.

Gerade live entfaltet Cobario seine besondere Kraft: im Zusammenspiel von Geige und Gitarren, im Wechsel von Spannung und Leichtigkeit, im Klang zwischen Straße, Konzertsaal und orchestraler Weite. Dieses Trio gehört auf die Bühne, wo seine musikalische Entwicklung, seine Bühnenpräsenz und seine künstlerische Reife unmittelbar spürbar werden. Cobario live zu erleben bedeutet, Musik als Reise zu erfahren.

Offizielle Kanäle von Cobario:

Quellen: